Ein klassischer Europäer mit Qualitätssiegel
Prof. Hänsch zur Europäichen Verfassung

Ende 2004 wird Prof. Dr. Hänsch, Europaabgeordneter seit 1979, 66 Jahre alt. 25 Jahre hat er aktiv europäische Geschichte geschrieben. Beim Thema „Europa in guter Verfassung?“  lief Hänsch zu jugendlichen  Hochformen auf. Vor 65 Zuhörern, darunter ein Leistungskurs Sozialwissenschaften des Haaner Gymnasiums,  begrüßte Gerhard Mayer, Vorsitzender der Europa-Union Haan, Hänsch als europäischen Klassiker mit Qualitätssiegel.

„Wir haben nicht alles erreicht und nicht alles ist uns gelungen – aber wir haben einen Kompromiss auf dem kleinsten Nenner erreicht.“ sagte Hänsch, der als einziger Deutscher die Europäische Verfassung im Präsidium des Verfassungskonvents die geschrieben hat. Drei europäische Herausforderungen sieht Hänsch für die nahe Zukunft, zehn neue Staaten zu integrieren, im Rahmen der Globalisierung Verantwortung zu übernehmen, das veränderte Europa zu realisieren. Die jungen Leute kennen den Krieg nur aus der Geschichte. Für sie sind Frieden, Reisen und Demokratie selbstverständlich. Die Sorge für die Zukunft wird Triebfeder der Europäischen Union sein.
Die europäische Verfassung garantiert mehr Demokratie: ohne Mehrheit im Parlament kein Gesetz.
Die europäische Politik wird in Zukunft personalisiert durch den EU-Außenminister und den Präsidenten des Europäischen Rates. Um die Führungslosigkeit Europas zu beenden, wie im Kosovo- und Irakkonflikt, ist ein Europäischer Außenminister notwendig.
Kritische Fragen wurden nicht ausgeblendet „Wir haben das Recht unsere Lebensweise zu verteidigen und nicht andere zu bevormunden.“ Hänsch stellte Europa nicht als Weltmacht dar, aber Europa hat Verantwortung für die Welt. Und wenn die Türkei beitritt, wird es nicht eine Türkei des Jahres 2004 sondern eine Türkei des Jahres 2014 sein. Doch die große Herausforderung wird nicht der Beitritt der Türkei zur EU sein sondern die Ratifizierung der Europäischen Verfassung. Nicht die Frage ob die Türkei beitrittsfähig ist steht im Vordergrund sondern die Frage nach der Aufnahmefähigkeit der EU.
Auf die Frage zu den europäischen Grenzen antwortete Hänsch: Die europäischen Grenzen sind nicht fassbar. Sie sind so verschieden wie die geografischen, kulturellen oder religiösen Gegebenheiten. Die Grenzen werden durch den politischen Willen festgelegt.
Heiner Fragemann, stellv. Leiter der VHS,  moderierte die Zuschauerbefragung und hier meldeten sich junge und alte Haaner und zeigten Interesse an der europäischen Entwicklung.

 

Die Repräsentanten der Veranstalter zusammen
mit dem Vortragenden: Gerhard Mayer (Europa-Union),
Prof. Dr. Hänsch, Heiner Fragemann (VHS Hilden-Haan),
Klaus Nilgen (Europa-Union)