2. Haaner Rathausgespräche




Zum zweiten Mal fanden unter Schirmherrschaft der VHS Hilden-Haan, des Kulturamts der Stadt Haan und der Europa-Union Haan die Haaner Rathausgespräche zu Europa statt. Im historischen Ratssaal des trafen sich an vier Abenden jeweils über 30 Zuhörer zum Thema Schweden. 

Friedhelm Frömer, Mitglied der Europa-Union Haan und fünf Jahre Botschaftsrat in der Deutschen Botschaft in Stockholm, eröffnete den Vortragsreigen mit seinem Bild des Partnerlandes Schweden, das er aus einer Vielzahl von Facetten zusammensetzte. Unterschiedliche Konzepte bei der Arbeitsmarktpolitik, im Bildungswesen, im Gesundheitswesen und im politischen System nahmen die Teilnehmer staunend zur Kenntnis.

Frau Sonja Städler, seit 40 Jahren in Haan lebende Schwedin, gestaltetet den zweiten Schwedenabend und vermittelte den Teilnehmern ihr persönliches Schwedenbild in einer Bildpräsentation mit Landschaftsimpressionen von Süd bis Nord, begleitet von einer Vielzahl geografischer Daten. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Hauptstadt Stockholm; sie gehört zu den schönsten Städten Europas. Bei der Aufzählung schwedischer Bräuche und Traditionen wunderten sich die Teilnehmer über den Fastenbrauch, der durch schmackhaftes Gebäck versüßt wird.

Schweden ist eine konstitutionelle Monarchie, so stellte Christian Berg am dritten Abend das politische System seines Landes vor. Die sympathische Königsfamilie, die im Gegensatz zur englischen ohne Skandale residiert, hat keine Machtbefugnisse mehr. Machtzentrum ist das Parlament, in dem die Sozialdemokraten größtenteils die Geschicke des Landes bestimmt haben. Im Gegensatz zu Deutschland ist es den Schweden gelungen, hohe steuerfinanzierte Sozialstandards zu bieten bei florierender Wirtschaft, die mit lediglich 6% Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Wirtschaftliche Konflikte (z.B. Entlassungen) gibt es kaum, da 80% der Schweden gewerkschaftlich organisiert sind und Lösungen im Konsens mit dem Staat erreicht werden. Auch das Leben mit Kindern gestaltet sich in Schweden einfacher. Nach der Geburt können Eltern 13 Monate Elternurlaub beanspruchen, wobei auch der Vater einen Teil übernehmen muss. 90% der Bezüge werden weitergezahlt. Nach einem Jahr hat das Kind Anspruch auf einen Kindergartenplatz.
 

Schwierig ist Schwedens Verhältnis zur EU. Nur knapp die Hälfte der Schweden hat für den EU-Beitritt gestimmt; bei der Währungsunion ca. 56% dagegen. Chr. Berg begründete dies mit der historischen Entwicklung Schwedens. Seit dem 16. Jh. war das Land nicht mehr in Kriege verwickelt, so dass die EU als friedenssichernde Ge-meinschaft keine Bedeutung hat. Die gute wirtschaftliche Lage in Schweden hat die Einführung des Euro verhindert.

Beim Thema Einwanderung schilderte Berg ähnliche Probleme wie in Deutschland, durch strengere Regeln gegen Diskriminierung werden Konflikte schon im Vorfeld abgeschwächt.

Göran Svensson von der schwedischen Handelskammer in Düsseldorf schloss die Veranstaltungsreihe mit einem Vortrag über die wirtschaftliche Situation Schwedens und machte klar, dass die wirtschaftlichen Verknüpfungen von Schweden zu Deutschland nicht nur von den bekannten Firmen wie IKEA, VOLVO und Wallendar getragen werden.