Witze im Europäischen Parlament -
Lachen mit Verzögerungen

Zum 25-jährigen Jubiläum der Europa-Union in Haan begrüßte Heiner Fragemann, stellvertretender Leiter der VHS Hilden-Haan, am 26.11.2007 den Europa- Abgeordneten Prof. Dr. Klaus Hänsch im Saal des Haaner Schulzentrums Walder Straße. 

Er war der erste Gastredner, als die Europa-Union Haan gegründet wurde. Jetzt zog er eine Bilanz über 25 Jahre Europa: Erweiterung der Gemeinschaft von 10 auf 27 Länder, die Wiedervereinigung Deutschlands und die Zerschlagung des Ostblocks. 15 Staaten haben ihre nationale Währung zugunsten des Euros aufgegeben. Dieses „Modell Europa“, so Hänsch, sei einzigartig in der Welt und somit eine Errungenschaft, die es in 1000 Jahren europäischer Geschichte noch nicht gegeben habe. Es gebe kein Vorbild, an dem man sich orientieren könne, und dies mache Europa so schwierig. 

Dass die Union weiterhin hohe Attraktivität hat, zeigen die Aufnahmewünsche der Türkei und einer Reihe von Balkanstaaten. Der Zeitpunkt der Aufnahme von Rumänien und Bulgarien in die EU war ein Fehler, da diese Länder noch nicht vollends den Aufnahmekriterien entsprachen. Das Gleiche würde auch für die Türkei gelten, die zudem von ihrer Größe her die Organisationsstruktur der EU-Bürokratie überlasten würde. Wenn neue Länder aufgenommen werden, müssen sie vorher ihre Konflikte gelöst haben. Dass sich Konflikte durch Aufnahme lösen, hält Hänsch für den falschen Weg. Was passiert, wenn die EU den nunmehr unabhängigen Kosovo aufnimmt? Dann würden auch andere Separatistengruppen wie die Basken, die Nordiren und einige Länder Osteu-ropas auf Unabhängigkeit bestehen. 

Erfreulich ist, dass durch die deutsche Ratspräsidentschaft die Frage nach einer europäischen Verfassung beschleunigt wurde. Geeinigt hat man sich auf einen Reformvertrag, der die Grundrechtecharta einschließt. Leider übernehmen Polen, Irland und Großbritannien die Charta nur eingeschränkt. Wird der Reformvertrag angenommen, gibt es in Zukunft einen EU-Ratspräsidenten, der für 2 1/2 Jahre vom Parlament gewählt wird. Das EU-Parlament erhält mehr Beteiligungsrechte bei der Gesetzgebung und es werden andere Mehrheitsverhältnisse bei Abstimmungen gelten. Ferner wird es einen EU-„Außenminister“ geben, der die Gemeinschaft mit einer Stimme nach außen vertritt.

Sollte der Reformvertrag nicht von allen EU-Ländern ratifiziert werden, wird die EU langsam zerfallen. Deshalb sollten die Europäer alles tun, um dies zu verhindern, denn Europa ist mittlerweile eine Macht, von der erwartet wird, dass sie das Weltgeschehen mitgestaltet.

Als ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments gab Hänsch auch noch einen sehr konkreten Einblick in den Ablauf einer Parlamentssitzung: Im Europa-Parlament sind die unterschiedlichsten Kulturen mit ihren Sprachen vertreten. So gibt es 23 Simultandolmetscher, die aber nicht alle Sprachkombinationen beherrschen. So warten die Übersetzer nicht so verbreiteter Sprachen erst die Übersetzung ins Deutsche oder Englische ab, um dann anschließen weiter zu übersetzen. Erzählt ein Redner im Parlament einen Witz, dann lachen die Abgeordneten in Kaskaden - zuletzt lachen in der Regel die Finnen. 

Die Zuhörer stellten anschließend Fragen zu Einzelproblemen, die Klaus Hänsch souverän beantwortete.