Europäische Philosophie?
Eine europäische Philosophie gibt es nicht. Doch Professor Dr. Josef Fellsches beeindruckte 90 Minuten, dass man sehr anschaulich europäisch philosophieren kann. Und Europa hat zur globalen Philosophie seit dem Mittelalter ausgestrahlt.

Die zweite Veranstaltung der diesjährigen Haaner Rathausgespräche, veranstaltet von der Europa-Union Haan, der VHS Hilden-Haan und dem Kulturamt der Stadt Haan, schlossen eindrucksvoll an die kulturellen Grundlagen Europas der letzten Woche an. Und durchgängig stand der Mensch und die Würde des Menschen im Mittelpunkt des Philosophierens.  Der Humanismus, wo die Philosophie sich von der Theologie löste, ist anthropozentriert; der Mensch steht in der Mitte. Es beginnt die Globalisierung, Kolumbus entdeckt Amerika und die ersten Weltkarten sind in ihrer Darstellung europazentriert. Europa strahlt in den Bereichen Wissen, Bildung und durch das Christentum in die Welt aus.

In der Aufklärung bekommt die Vernunft ausgehend vom Enzyklopädismus ihren Stellenwert, von der ersten Enzyklopädie werden 25.000 Exemplare verkauft und der Mensch bemüht sich im Sinne von Emanuel Kant um den eigenen Verstand; er lernt die Vernunft zu gebrauchen. 
Prof. Fellsches philosophiert  dann über die Begriffe Demokratisierung und Säkularisierung europabezogen und weltorientiert anhand von zahlreichen Dokumenten und Urkunden zur Entwicklung der Menschenrechte; von den unterschiedlichen „bill of rights“ von 1776  bis hin zur europäischen Charta der Menschenrechte aus dem Jahr 2000. Die Verweltlichung der Religion, die Säkularisation, wird von Fellsches als konsequente Entwicklung des Menschen im Demokratisierungsprozess gesehen. Im 19. Jahrhundert richtet er den Blick mit Carl-Friedrich von Weizsäcker auf die Naturwissenschaften und die Evaluationstheorien. Plötzlich ist alles in Bewegung und im Wandel. Und konsequenterweise vernachlässigt der Referent auch nicht die Gefährdungen des historischen Maßes und zitiert Adorno, der 1944 sagte: „Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt ein Zeichen triumphalen Unheils.“

Eine angeregte Diskussion über Gefühle und Vernunft und die Frage, wie ein Drittes Reich entstehen konnte, schloss sich an. Der ehrwürdige Rathaussaal war Gastgeber für ein Thema, wo der würdevolle Umgang des Menschen mit sich selbst und der Umwelt im Mittelpunkt stand.