Möbel erzählen europäische Kunstgeschichte
Nach zwei Rathausgesprächen, die sich auf philosophischen Wegen mit der Kultur Europas beschäftigten, wurde beim dritten Rathausgespräch europäische Kultur anschaulich vermittelt. Der Referent Jochen Wingerath, Vorstandsmitglied der Europa-Union Haan, hatte Designermöbel mitgebracht.

Das Interesse Wingeraths für Möbel basiert auf Wohnerlebnissen aus seiner Kinder- und Jugendzeit, in der Eltern ihren Wohlstand durch die Fülle an Möbeln ausdrückten und „Wohnen“ oftmals unmöglich wurde. 

 
Die ersten Möbelentwürfe, die nicht auf Nachahmung bestehender Möbelstile basierten, entstanden in der Biedermeierzeit. Die Sehnsucht nach Behaglichkeit und Aufteilung der Wohnung in Funktionsbereiche förderte die Herstellung einfacher Möbel ohne Schnörkel, allerdings von hoher handwerklicher Qualität.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelten Möbeldesigner ihre Vorstellungen von funktionellem Wohnen, die häufig nicht angenommen wurden. Wenn es den Menschen schlecht ging, (z. B. nach dem Ersten Weltkrieg) entwarfen die Designer einfache, funktionelle Möbel, z. B. im Bauhausstil, während die Bevölkerung dem vergangenen Prunk Preußens nachtrauerte und sich eine opulente Möbelausstattung wünschte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man auch in der Architektur, Häuser und Wohnungen auf die Bedürfnisse der Bewohner auszurichten. Nur stellten die Menschen ihre alten Möbel in die hellen sonnenausgerichteten Wohnungen.

So ergaben sich im Laufe der Zeit wechselvolle Entwicklungen, die mit bekannten Namen verbunden sind. Designer arbeiteten in ganz Europa an Entwürfen, die z. T. zu Kunstwerken erhoben wurden und heute in großen Museen ihren Platz gefunden haben. Als Beispiel sei der so genannte Caféhausstuhl von Thonet genannt, der 50 Millionen mal verkauft wurde. Modernes Möbeldesign ist geprägt von hoher Funktionalität, guter technischer Herstellbarkeit, die wirtschaftlich und damit  für jedermann erschwinglich ist. Leider fehlt häufig die Akzeptanz, so dass diese Möbel nur von einem kleinen Kreis erworben werden, und das erhöht wiederum den Preis.

Dass auch heutzutage modernes Design zu günstigen Preisen Abnehmer findet, zeigt das Unternehmen IKEA, das seit Jahren erfolgreich funktionelle und moderne Möbel anbietet. Leider ist die Qualität nicht so, dass man mit diesen Möbeln alt werden kann. Wie man sich einrichtet, ist letztlich immer eine Frage der persönlichen Einstellung und des Geschmacks. 

Der Referent gab noch einen Rat mit auf den Weg:

„Lasst uns die Alltagsroutine lustvoll inszenieren“. 
Im Anschluss probierten die Besucher die Sitzmöbel aus und waren erstaunt, wie gut man auf ihnen sitzen kann.