Rundreise durch Rumänien


Rumänien, das neue EU-Land, normalerweise wissen wir nicht viel mehr darüber als Horrorgeschichten über hohe Kriminalität, über Schlepperorganisationen, es kommen uns Schreckensbilder von Menschenschändern, wirklichen und fiktiven Psychopathen und Blutsaugern à la Ceaucescu und Dracula in den Sinn. Wen wundert es also, dass dieses Land im Südosten Europas, zwar nur zwei Flugstunden entfernt, uns weniger anzieht und weniger vertraut ist als manches Ziel am anderen Ende der Welt? 

Der Ortsverband Haan der Europa-Union hat Rumänien als Jahresthema für 2008 gewählt, um Türen aufzustoßen, die einen Blick auf das wahre Rumänien ermöglichen. Dazu gehörte auch das Angebot der Rundreise. Eine Gruppe von Haanern und einigen Hildenern ging auf die Reise, um Rumänien zu erkunden und hinter den vielen Vorurteilen die Wirklichkeit diese Landes zu entdecken. 

Die Reise begann in Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens und führte von dort durch die Walachei ins Donaudelta. Danach verlief die Route entlang der Moldau zu den Moldauischen Klosterstiftungen und weiter zu den bemalten Klöstern der Bukowina. Durch viele Orte Transsilvaniens (Siebenbürgen) wie z.B. Klausenburg, Herrmannstadt, Mühlbach, Schäßburg usw., und weiter durch das Burzenland um Kronstadt ging es wieder zurück nach Bukarest.

Was für eine wunderbare Reise! - Geographisch gesehen ist Rumänien ein Mosaik aus Meeresküste, Flussniederungen, weiten Ebenen, Hochland und Gebirge (Karpaten). Die Reiseteilnehmer durchquerten die reizvollsten Landschaften und bewunderten eine Vielfalt von Naturschönheiten, idyllische Berglandschaften und Ursprünglichkeit.

Rumäniens Historie ist eine unendliche Geschichte, viele Völker haben diesem Land eine unverwechselbare Note gegeben mit Kunstwerken aus 6000 Jahren. Kulturelle Höhepunkte boten sich in den Moldauklöstern, in Neamt einem der bedeutensten Kulturzentren mit Schulen für Kalligraphie und Miniaturmalerei, sowie in Agapia und Varatec mit der Reichhaltigkeit seines Klosterschatzes, wo es meisterhafte Ikonen aus mehreren Jahrhunderten und feine Goldschmiedekunst zu bewundern gab.

Die Klöster der Bukowina, zwischen 1488 und 1585 vom aufstrebenden Moldaufürstentum erbaut, gehören zu den verblüffendsten Schätzen rumänischer Kunst, doch die farbenprächtig strahlenden Fresken an den Außenwänden machen sie in ihrer Art einmalig in der Welt. Das war auch der Eindruck bei der Besichtigung der Klöster Humor, Moldovita, Voronet und Sucevita.

Die Reisegruppe der Europa-Union Haan vor der berühmten
Westfassade der St. Georgskirche ("Sixtinische Kapelle des Ostens")
im ehemaligen Kloster Voronet

Siebenbürgen wurde wie eine Zeitreise ins Mittelalter erlebt. Es ging durch verträumte romantische Städte und Dörfer, das kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen, romanische Bauwerke, gotische Bauten und eine Vielzahl von Kirchenburgen (z. B. Medias. Birthälm, Heltau). Schloss Peles, die 1883 eingeweihte königliche Sommer-residenz, hat auch heute noch den Zauber der Monarchie vergangener Zeiten.

Obwohl die historische Altstadt von Bukarest zu einem Fünftel Ceausescus „Kahlschlagpolitik“ zum Opfer fiel bot sie doch zahlreiche kulturelle Sehenswürdigkeiten.

Was für ein Land! Alle waren überwältigt von seinen Naturschönheiten, tief beeindruckt von seinen kulturellen Kostbarkeiten, aber am meisten erstaunten die Menschen mit ihrer offenen Art, sehr freundlich und hilfsbereit. Kriminalität? Sicher ist sie auch in diesem Land existent, auf dieser Rundreise jedoch war nichts davon zu spüren. Alle fühlten sich sicher und hatten den Eindruck, dass hier auch nicht mehr auf die Taschen aufgepasst werden muss als in anderen europäischen Ländern.

Die touristische Infrastruktur ist noch lückenhaft, auf vielen Land- und Fernstraßen sind tiefe Schlaglöcher anzutreffen. Noch teilen sich Gänse, Kühe, Esel, Fuhrwerke, Fußgänger und rasende Autos die Straßen, doch das Land ist im Aufbruch. Viele neue Straßen, viele individuelle Hotels und Privatquartiere sowie viele gastfreundliche Rumänen warten auf ihre Gäste.

Mit jedem Tag der Rundreise, mit jeder Begegnung hat sich das Rumänienbild verändert. Fazit: Rumänien ist wirklich eine Reise wert.