Politisches und
 gesellschaftliches Leben
in Finnland


Zum Abschluss des Finnlandjahres der Europa-Union in Haan referierte Dr. Anna-Maija Mertens, Institutsleiterin des Finnland-Instituts in Berlin über „Finnlands Herausforderungen in Politik und Gesellschaft“.

Finnland ist erst seit 1917 unabhängig. Es stand lange unter den Einflüssen Schwedens und Russlands, so dass sich ein demokratisches Staatsgebilde erst langsam entwickeln konnte. Mit dem Beitritt zur EU 1995 hat sich Finnland endgültig für den Westen entschieden. Die Finnen sahen die Möglichkeit, westliche Politikkultur und gesellschaftliche Neuerungen zu übernehmen. Gesellschaftspolitisch bedeutet dies, dass der finnische Staat sehr fürsorglich mit seinen Bürgern umgeht.

Ein Beispiel ist die Familienpolitik, bei der Familien sehr stark  vom Staat gefördert werden. Dies wirkt  auch bis in das Schulsystem, das Maria Pessi, Studienberaterin des Finnland-Instituts, erläuterte. Obwohl strukturell durchaus mit unserem System vergleichbar, können die finnischen Schulerfolge primär auf das gute Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern zurückgeführt werden. Der Lehrer hat in der finnischen Gesellschaft ein hohes Ansehen. Schulpolitik wird in erster Linie als Integrationspolitik gesehen. Lernschwächen werden schon in der Vorschule behoben, Förderunterricht ist in allen Schulstufen vorgesehen. Zudem erleichtert ein ausgebautes Biblio-thekswesen den Zugang zu Lern- und Unterrichtsmaterialien. Der Internetzugang wird flächendeckend und kostenlos angeboten. Das Abitur ist landeseinheitlich, die Ergebnisse der einzelnen Schulen werden veröffentlicht.

Es gibt noch keine Ausländerproblematik, obwohl in der letzten Zeit verstärkt Russen und auch Schweden nach Finnland einwandern. Die berufliche Bildung kennt kein duales System, die Jugendlichen werden überwiegend in Berufsschulen ausgebildet und absolvieren Praktika in den Unternehmen.

Das positive Finnlandbild wird durch die letzte Parlamentswahl getrübt, bei der die „wahren Finnen“ oder besser übersetzt „Grundfinnen“ 20% Stimmenanteil erhalten haben. Auch sehen die Finnen selbst die Entwicklung in Russland für die Zukunft mit Sorge. Mit diesem Ausblick verabschiedete Heiner Fragemann, stellvertretender Leiter der VHS Hilden-Haan, begleitet von einem herzlichen Applaus der Zuhörer die beiden Referentinnen.