Peer Steinbrück bei den Haaner Rathausgesprächen


Mehr als 100 interessierte Haaner Bürgerinnen und Bürger füllten den historischen Rathaussaal, um MdB Peer Steinbrück zu erleben. Der Europa-Union Haan und der VHS Hilden-Haan war es gelungen, diesen hochkarätigen Politiker für die "Haaner Rathausgespräche zu Europa" zu gewinnen.


Das Thema „Die Eurokrise und die Bedeutung des Euroraums in der Weltwirtschaft“ sei falsch formuliert, so Steinbrück, da es keine Eurokrise gäbe. Wohl gebe es in einigen Ländern Europas Finanzkrisen, wie in Griechen- land, hervorgehoben durch eine rasant steigende Staatsverschuldung. Stammtischparolen wie zurück zur guten  D-Mark würden hier nicht helfen, denn die Folgen für die Wirtschaft wären fatal. Bei einer Rückkehr zur D-Mark würde diese stark aufgewertet, so dass unsere Exportchancen erheblich eingeschränkt würden.

Die Währungen der schwachen Länder würden abgewertet, so dass der  Import von Rohstoffen und Fertig-produkten erschwert wird. Der Zerfall der Währungsunion würde auch einen Zerfall der gesamten EU nach sich ziehen.

Das kann niemand wollen, da die EU mehr bietet als die Währungsunion. Frieden, Rechtstaatlichkeit, Soziale Sicherung und Presse- und Meinungsfreiheit sind Werte, die unbedingt erhalten werden müssen.

So bleibt uns nur, den angeschlagenen Ländern zu helfen, auch wenn es teuer wird. Aber was sind schon 100 – 200 Milliarden Euro für die Rettung, wenn man bedenkt, dass die deutsche Wiedervereinigung 2.000 Milliarden Euro gekostet hat.

Die gewandelte Bedeutung Europas in der Welt demonstrierte Steinbrück an der Entwicklung der Weltwirtschaftsgipfel. Aus der elitären G 7/8 Gruppe ist inzwischen eine G 20 geworden. Schwellen- und Entwicklungsländer wie China, Indien, Brasilien, Argentinien wollen die Geschicke der Weltwirtschaft mitbestimmen, um die von den USA und Europa verursachte Finanzkrise einzudämmen. China hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst, andere Länder werden folgen. Die Verteilung von Roh- stoffen und Nahrungsmitteln, die weltweite Telekommunikation und die Bekämpfung des Terrorismus können nur global gelöst werden. Die USA sind inzwischen finanziell abhängig von China; Kapitalismus und Kommunismus leben in trauter Symbiose.

Bei diesen rasanten Veränderungen mahnte Peer Steinbrück an, klare Spielregeln für Europa zu entwickeln, um z. B. in der Wirtschafts- und Außenpolitik mit einer Stimme zu sprechen.


Die vom Vortrag faszinierten Zuhörer dankten Peer Steinbrück mit anerkennendem Applaus. Nach einer regen Diskussion moderiert vom stellvertretenden Leiter der VHS Heiner Fragemann übergab Fritz Köhler als Dank der Europa-Union einen symbolischen Rettungsschirm: