Wie verändert Griechenland die EU?

Der historische Ratssaal im Haaner Rathaus war gut besucht, als Dr. Pantaleon Giakoumis, Landesgeschäftsführer der Europa-Union NRW, über die Schuldenkrise in Griechenland und deren Bedeutung für die EU referierte. Als gebürtiger Grieche, der inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hat, lebt er in einem Argumentationszwiespalt, da er beide Seiten, die Eu auf einen und Griechenland auf der anderen Seite verstehen kann.

 


Der EU lastet Giakoumis an, dass die Entwicklung dieser Schuldenkrise seit Jahren bekannt war. Mit der Schaffung des europäischenBinnenmarktes wurde die Währungsunion angestrebt. Um die von der EU aufgestellten Stabilitäts-kriterien zu erfüllen, haben fast alle Euroländergetrickst oder lieferten falsche Zahlen. Selbst Sanktionen, welche die EU bei Verletzung der Kriterien verhängen kann, wurden nicht umgesetzt.

 Mit der Einführung des Euros verdienten vor allem die Banken an bereitwillig vergebenen Staatsanleihen. So hat Griechenland in 10 Jahren mitbilligem Geld ca. 120 Milliarden Euro Neu- schulden aufgenommen. Mit diesem Geld hat die auf die Familien Karamanlis und Papandreou beschränkten Regierungs- chefs einen künstlichen Wohlstand geschaffen, der nicht durch Produktions-leistungen erzeugt wurde. Es entstand eine gewaltige Verschwendung: großzügige Rentenregelungen,13 bis 14 Monatsgehälter im öffentlichen Dienst, hohe Abfindungen, Steuerhinterziehung, und Inkompetenz der Behörden.


Erst als Griechenland diese gewaltige Schuldenlast nicht mehr zurückzahlen konnte und neue Kredite immer teurer wurden, sah sich die EU gezwungen, einen Rettungsschirm zu schaffen, um das Land in der Eurozone zu halten. Die Folgen für die Griechen sind fatal, und Dr. Giakoumis zeigte hier Verständnis für das Verhalten der Griechen. Lohnkürzungen, Steuererhöhungen, Entlassungen aus dem öffentlichen Dienst sind für einen stolzen Griechen Einschnitte, die er nicht so einfach hinnehmen will. Die Vorherrschaft der Deutschen und Franzosen äußert sich auch in griechischen Zeitungskarikaturen, in denen Angela Merkel als Euro-Besatzerin dargestellt wird.



Aber langsam erkennen die Griechen, dass sie sich auf neue Lebensumstände einstellen müssen. Sie wollen den Euro behalten, dies ist aber nur durch einschneidende Sparmaßnahmen möglich. Die EU-Gremien haben aus diesem Schuldendilemma ebenfalls gelernt. Nur durch strenge Kontrollen der Haushalte der Euroländer können in Zukunft Überschuldungen verhindert werden.

Wir benötigen also eine EU, in der die Mitgliedsländer noch stärker verzahnt sind und durch ein übergeordnetes Gremium kontrolliert werden können. Mit diesem Plädoyer für eine Weiterentwicklung der EU wurde Dr. Giakoumis mit Applaus von Heiner Fragemann, stellvertretender Vorsitzender der VHS Hilden-Haan, und Fritz Köhler, Vorsitzender der Europa-Union Haan, verabschiedet.