Europa-Union Haan auf Rundreise
 in Kroatien sowie Bosnien-Herzegowina

„Hände reichen. Frieden leben.“, steht auf der Schleife des blau-gelben Blumengestecks, das 39 Reisende der Europa- Union Haan am Gedenkstein für die toten Zivilisten des Kroatisch-Serbischen Kriegs in Ovcara bei Vukovar nieder-legten.

Beim Massaker von Vukovar wurden an diesem Ort am 20. November 1991 etwa 200 Menschen, die zuvor aus dem Krankenhaus von Vukovar verschleppt worden waren, auf freiem Feld in Gruppen erschossen und in einem Massengrab verscharrt. Dieser Eindruck und die weiteren Begegnungen mit Menschen, die heute wissen, was es heißt in Frieden zu leben, weil der Balkankrieg zwischen 1991 und 1998 fast jede Familie getroffen hatte, begleitete die Reise- gruppe eine Woche durch Kroatien und Bosnien und Herzegowina.


Gerhard Mayer, ehemaliger Vorsitzender der Europa-Union Haan, hatte diese Reise durch seine Kontakte nach Kroatien zu einer Begegnungsreise der besonderen Art werden lassen.

In Dakovo, Ostslawonien, wurde die Gruppe von Schwester Lovorka Jukic im Kloster der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz empfangen und bewirtet. Die Schwestern berichteten von Ihrer Arbeit mit Kindern und auch mit traumatisierten Menschen. Durch die Petrus Basilika führte die Gruppe Teodor Horvat, Altenpfleger in Dakovo. Er berichtete aber auch von einem nahegelegen deutschen Dorf, das 1944 evakuiert wurde und nach dem Krieg zum Todeslager für Deutsche wurde, wo 1300 Menschen starben.

In Vukovar, dort wo der serbisch-kroatische Krieg 1991 am heftigsten nicht nur materielle Schäden sondern auch menschliche Verwundungen hinterlassen hat, kam die Haaner Reisegruppe mit Prof. Dr. Drozen Zivic, Leiter des Instituts für Sozialwissenschaften „Ivo Pilar“ zusammen, der aus wissenschaftlicher Sicht historisch den Balkankrieg beleuchtete und so recht keine Hoffnung für die aktuelle Entwicklung sah. Er zeigte dann der Gruppe die neuaufgebaute Stadt, die hoffen lässt und die Wunden des Krieges, die nicht verheilt sind. Neben dem als Mahnmal weiterhin zu sehenden von Granaten zerstörten Wasserturm von Vukovar wurde die Gruppe im Franziskanerkloster von Pater Marian empfangen. Ganz persönlich schilderte er die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der serbischen und kroatischen Bevölkerung „Ich suche noch immer meine Mutter auf den Fotos der Flüchtlingstrecks“. In einer Stadt, wo Serben und Kroaten zusammen wohnen, ist das Miteinander aber nicht sehr ausgeprägt, leider reichen sich auch Vertreter der christlichen und der orthodoxen Kirche nicht die Hände, so der Franziskanerpater.

Auf dem Weg an die adriatische Küste besuchte die Haaner Reisegruppe die Städte Sarajevo und Mostar. Auch hier standen bei Stadterkundungen die Kriegsgeschehnisse des Ersten und Zweiten Weltkrieges im Mittelpunkt. In Sarajevo führte ein junger Student, der in München geboren wurde, die Gruppe von der orientalischen in die christlichen und orthodoxen Bezirke. In Mostar begleitete die Gruppe eine junge Moslemin,

die in einer Bielefelder Grundschule ihre exzellenten Deutschkenntnisse erwor- ben hatte. Hier keimte Hoffnung auf, weil beide bekundeten, dass der große Teil der Jugend keine Probleme mit den unterschiedlichen Religionen und Volks- gruppen habe und man befreundet sei. Bei der älteren Bevölkerung sei das etwas anders. In Mostar besuchte die Haaner Gruppe auch eine Moschee und einige Teilnehmer durften auch das Minarett betreten, von dem man auf die wieder aufgebaute Friedensbrücke blicken konnte. Man ging aber auch an Gebäuden vorbei, wo die Jalousien von Maschinengewehrsalven durchlöchert und an Häusern, die noch immer von Granaten zerstört waren.

Zu einem ganz besonderen „Händereichen“ kam es an der adriatischen Küste in dem kleinen Ort Selce, südlich von Rijeka. Dort hatte die Gruppe ein Wiedersehen und ein gemeinsames adriatisches Abendessen mit dem Wirtepaar Steffi und Slobodan Loncaric, die Besitzer des ehemaligen kroatischen Restaurants „Ratsstuben“ in Haan waren. Gerhard Mayer überreichte dem Ehepaar und ihrem Sohn Milan, die 2003 nach Kroatien zurückgekehrt waren, eine Haaner Stadtfahne, die nun vor den Ferienwohnungen der Loncaric gehisst werden wird.

In Opatija, einem fast wienerisch anmutenden Ort an der istrischen Küste, erholte sich die Gruppe dann von den vielen beeindruckenden Begegnungen.

Man hatte den Eindruck, dass hier und da der Frieden am seidenen Faden hängt und nicht selbstverständlich ist. Mit Kroatien hatte die Europa-Union ein Partnerland für das Jahr 2014 ausgesucht, das Mut zum Händereichen macht, damit Kriege verhindert werden. Doch wie sagte eine Mitreisende am Ende der Fahrt: „Mir hat die Fahrt gezeigt, dass man Frieden im eigenen Umfeld leben muss, auch dort, wo z. B. unachtsame Worte verletzen können.“