Städtepartnerschaften - heute ein Problem?

Was sind Städtepartnerschaften heute noch wert? So lautete die Frage, die zu Beginn eines Sonderrathausgespräches gestellt wurde. Um hierauf eine Antwort zu finden, hatten Europa-Union Haan, Kulturamt der Stadt Haan und VHS Hilden-Haan den Staatsminister a. D. und Vorsitzenden des Landesverbandes der Europa-Union in NRW, Wolfram Kuschke, eingeladen.

Vor 30 interessierten Haaner Bürgern stellte Kuschke Ergebnisse  einer Untersuchung der  Auslandsgesellschaft Deutschland e.V. über Städtepartnerschaften vor, die er ehrenamtlich geleitet hatte. Kern der Studie ist die heutige Situation von Partnerschaften, und sie zeigt Vorschläge, wie man in Zukunft  diese wertvollen Einrichtungen zur Verständigung in Europa  wieder mit Leben füllen könne. Denn Städtepartnerschaften bilden den Kern internationaler Aktivitäten und werden als „Außenpolitik im Kleinen“ bezeichnet.

Jedoch senken vielerorts die Rahmen-bedingungen – Sättigungseffekt, wachsende Skepsis im Hinblick auf neue Verpflichtungen und Finanzkrise – die Bereitschaft zu neuen Partnerschaften.
Man sollte genau prüfen, welche Ziele man verfolgen will. Bestehende Partnerschaften sollten einer regel-mäßigen Stärken- und Schwach-stellenanalyse unterzogen werden.
So könnten formalisierte Strukturen (Reisetourismus von Honoratioren) zugunsten flexibler Vereinbarungen in Form von Projektpartnerschaften, Auslandspraktika, Aktivitäten von Europaschulen oder internationale Jugendcamps die gesetzten Ziele besser umsetzen. Daneben spielt auch die Bereitschaft, finanzielle Mittel bereitzustellen, eine wesentliche Rolle.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass sich die Stadt Haan gänzlich aus der Partnerschaftsarbeit zurückgezogen und die Aufgaben einem Verein von Haaner Bürgern übertragen hat. Der anwesende Vorsitzende berichtete resigniert, dass zurzeit kaum Aktivitäten mit den Haaner Partnerstädten stattfinden.

Deshalb befürwortete Wolfram Kuschke die Einrichtung einer Partnerschaftskonferenz, die zu Beginn eines jeden Jahres eine Bilanz der Aktivitäten vorlegt, um weitere Ziele abzustecken, oder auch, wenn die Belebung einer nicht mehr funktionierenden Partnerschaft nicht mehr sinnvoll erscheint, empfiehlt, die betreffende Partnerschaft aufzugeben. Da die Haushalte der Kommunen keine oder nur geringe Beträge (in Haan ca. 3.000,00 €) bereitstellen, wurde vorgeschlagen, Geld über Stiftungen oder Sponsoren aufzutreiben.

Eine Bestandsaufnahme mit einer Stärken- und Schwächeanalyse der Haaner Partnerschaften sollte in jedem Falle erstellt werden, wobei er sich vorstellen könnte, dass diese durch die überparteiliche Europa–Union erfolgen könnte.

Er wäre gerne bereit, dann erneut zu einem weiteren Gespräch zu diesem Thema nach Haan zu kommen.