Christ sein in Europa

Die Europa-Union Haan stellt sich bei den diesjährigen Rathausgesprächen einem schwierigen Thema: Hat Europa eine Seele? Zum Auftaktreferierte Dr. Reiner Nieswandt, katholischer Pfarrer in Haan, zum Thema: „Christ sein in Europa“.

Seine Grundthese lautet: “Europa hat nicht eine Seele, sondern mehrere, die zum Teil versöhnt, zum Teil im Widerspruch zueinanderstehen.“ In einem spannenden Überblick, angefangen in der Antike, zeigte Dr. Nieswandt die vielfältigen Einflüsse antiker Kulturen und Götterwelten (Europaund der Stier), und die Bestrebungen, christliches Denken mit der griechischen Philosophie zu versöhnen. Bis zum18. Jahrhundert hat sich das Christentumdurchgesetzt, wenn auch mit teilweise fürchterlichen Exzessen (Hexenverbrennungen) oder Religionskriegen im 16. und 17. Jahrhundert. 



Mit der zweiten Aufklärungswelle erfolgte eine immer stärker werdende Abkehrung vom christlich-jüdischen Denken, verbunden mit neuenToleranzideen (Nathan der Weise) und aufkommender neuer Staatsform: Republik statt Monarchie. Mit der wirtschaftlichen Globalisierung ab 1990 verl
oren die Menschen oftmals ihre ideelle Orientierung. Dies führte in Europa zu einer Vielzahl neuer kultureller und religiöser Ausdrucksformen.

Das „gewohnheitsmäßige“ Christentum wird weniger werden, die „Volkskirchen“ ebenso wie die „Volksparteien“ verschwinden oderwerden zumindest erheblich kleiner. Nur ein „Christentum der Tat“, orientiert an den Armen und Unterdrückten, verbunden mit kontemplativen Beten und Glaubenaus eigener Überzeugung, wird in der Lage sein, als „Salz der Erde“ im Europa unserer Tage zu wirken und so „Europa eine Seele zu geben“, lautet dieSchlussthese des Referenten bezeichnet.